»Man sieht und spürt,
wie viel Enthusiasmus
in dem Projekt steckt.«

Armin Kaumanns | AZ 2011

L'Enfant et les Sortilèges | Maurice Ravel | Theater Aachen | 2012

Archiv | Opernproduktionen 2015

Benjamin Britten | The Turn of the Screw

Eine Kooperation der HfMT am Standort Aachen mit dem Theater Aachen und eine Produktion der Rheinischen Opernakademie der HfMT Köln.

The Turn of the Screw erzählt die Geschichte einer jungen, namenlosen Frau. Sie wird von einem attraktiven Mann als Gouvernante engagiert und soll sich auf einem alten, abgelegenen Landgut um zwei verwaiste Kinder kümmern. Nur eine Sache ist ihm dabei wichtig: Alle Probleme soll sie alleine lösen und ihn niemals damit konfrontieren. Trotz dieser merkwürdigen Bedingungen und gewisser Zweifel sagt sie zu. Doch mysteriöse Geschehnisse, Abgründe und Schatten tun sich auf um die Bewohner der alten Mauern…

Benjamin Britten komponierte seine Oper nach der gleichnamigen Novelle von Henry James. Er lernte den Stoff schon 1932 über ein Radio-Hörspiel kennen und war sofort fasziniert von der Geschichte. Als er einen Kompositionsauftrag für die Biennale in Venedig 1954 erhielt, griff Britten dann »The Turn of the Screw« wieder auf. Mit nur 13 Musikern im Orchestergraben zieht Britten den Zuhörer ganz in den Bann dieser Oper.

Musikalische Leitung: Raimund Laufen
Inszenierung: Lilly Lee
Dramaturgie: Michael Schmitz-Aufterbeck, Malte Wasem
Governess: Núria Vinyals Rovira, Maria Eunju-Park
Mrs. Grose: Ramona Ermert, Milena Knauss
Miss Jessel: Coline Dutilleul, Lariza Vashyukina
Quint: Andreas Joost
Flora: Suzanne Jérosme, Laura Lietzmann
Miles: Eva Maria Gemeinhardt, Svenja Lehmann
Prolog / Erzähler: Tobias Glaugau
Orchester der HfMT Köln | Standort Aachen

Pressestimmen: »Abgründiger Albtraum mit Untoten« | AZ/AN vom 15.06.2015
Artikel Armin Kaumanns als ƒ PDF
»Geisterspuk aus dem Jenseits« | Grenzecho vom 16.06.2015
Artikel Sibylle Offergeld als ƒ PDF
ƒ Besprechung der Premiere auf WDR3

Im weißen Rößl | Open Air

Singspiel in drei Akten – im Innenhof der Musikhochschule | Standort Aachen
Fassung »Bar jeder Vernunft«, frei nach dem Altberliner Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg

1930 in Berlin uraufgeführt wurde das Singspiel »Im Weißen Rößl« unter den Nationalsozialisten verboten, feierte jedoch in London großen Erfolg mit 650 Vorstellungen en suite und entwickelte sich am Broadway ebenfalls zum Erfolgsstück.
Mit Charme, Witz und Schlagerseligkeit geht es um Liebesirrungen und -wirrungen des Zahlkellners Leopold, seiner Chefin Josepha und illustrer Gäste des Hotels Im Weißen Rößl. Nachdem Kaiser Franz-Joseph höchstpersönlich eincheckt und interveniert kann die Operette schließlich mit der Zusammenführung dreier Paare glücklich enden…

Inszenierung: Hans Müller und Erik Charell
Gesangstexte: Robert Gilbert
Musik: Ralph Benatzky
Einstudierung: Tobias J. Lehmann
Musikalische Leitung: Prof. Herbert Görtz

Ausführende:
Lisa Solovyova | Josepha Vogelhuber
Fabio Lesuisse | Leopold Brandmeyer
Tobias Glagau | Dr. Otto Siedler
Farsan Rahvari | Wilhelm Giesecke (Yilmaz Gülcüzün)
Ava Gsell | Ottilie Giesecke (Gülcüzün)
Andranik Fatalov | Sigismund Sülzheimer
Martin Friese | Piccolo / Prof. Dr. Hinzelmann
Charlotte Watzlawik | Klärchen
Herbert Görtz | Der Kaiser

Eine Produktion der Rheinischen Opernakademie mit Gesangsstudierenden und Instrumentalisten der HfMT Köln | Standort Aachen im Rahmen des Szenischen Grundunterrichts.

 

Pressestimmen

»Famose Helden und reichlich deftiger Tobak« | AZ/AN vom 22.06.2015

Junge Sänger der Musikhochschule begeistern mit einer schlanken, aber rasanten Version des Klassikers „Im Weißen Rössl“. Schwierige Akustik im Hof.

Von Pedro Obiera

Aachen. Im Stadttheater glänzen die Studenten der Aachener Musikhochschule mit einer beeindruckenden Darstellung von Benjamin Brittens düsterem Drama »The Turn of the Screw«, im Innenhof der Schule am Theaterplatz stimmen sie mit Ralph Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rössl“ mit flotteren Klängen auf die bevorstehende Sommerpause ein.

Eine leichte Aufgabe haben sich Dekan Professor Herbert Görtz, der die knapp zweistündige Produktion am Keyboard begleitet und als vermeintlicher Kaiser Franz Joseph selbst auftritt, Regisseur Tobias J. Lehmann und die jungen Sänger damit nicht vorgenommen. Auch wenn die Musik beschwingter klingt als die Brittens, singen können muss man genauso gut. So stimmungsvoll der Innenhof der Musikhochschule sein mag, in der frischen Luft hatten es die motivierten Darsteller noch etwas schwerer, ihre Stimmen bis in die hinteren Reihen in voller Präsenz hinüberzutragen. Von den unterschiedlich deutlich gesprochenen Dialogen ganz zu schweigen.

Dass diese Probleme den Erfolg im voll besetzten Innenhof zum ungetrübten Vergnügen des Premieren-Publikums nicht gefährdete, lag an den durchweg hochwertigen Gesangsleistungen und der unbändigen Spielfreude der blutjungen Künstler. Tobias J. Lehmann sparte in seiner Inszenierung der verwickelten Vielecks-Komödie nicht an deftigem Tobak, charakterisierte die Figuren pointiert und flocht ein paar aktuelle Anspielungen ein, indem er etwa den Fabrikanten Wilhelm Giesecke zum muselmanischen Yilmaz Güzelcim mit Migrationshintergrund umdeutete. Das alles spielt sich in schlichten, aber treffsicheren Dekorationen von Franziska Leicht ab.

Herbert Görtz als musikalischer Leiter löste das Werk aus der gängigen Tradition der großen Revueoperette und reduzierte das Orchester auf eine Salonbesetzung mit Keyboard, Posaune, Violine und Kontrabass. Das verleiht dem Werk einen gemütlichen Anstrich, eignet sich aber auch, an mancher Stelle die Nähe zur zeitgleich entstandenen „Dreigroschenoper“ zu unterstreichen, so dass das eingefügte Brecht-Zitat nicht weniger gut passt als die eingestreuten Erfolgssongs anderer Komponisten, was Ralph Benatzky zu endlosen Urheberrechtsstreitigkeiten zwang.

Das Stück lebt von der Präsenz der beiden Hauptfiguren, der Hotelchefin Josepha Vogelhuber und ihrem Zahlkellner Leopold, aber auch von der präzisen Zeichnung der weiteren, allesamt dankbaren Partien. Lisa Solovyova stellt eine resolute Josepha dar, die am Ende doch ihrem Leopold zu Füßen liegt, der in Fabio Lesuisse einen charmanten Sängerdarsteller findet. Farsan Rahvari gibt dem polternden Fabrikanten Güzelcim Profil, Charlotte Watzlawick erfreut als Klärchen mit besonders ausgeprägtem komödiantischem Talent. Andranik Fatalov verleiht dem „schönen“ Sigismund betont lyrische Züge und auch die vielen weiteren Rollen sind überzeugend besetzt. Gesungen wird auf durchweg hohem Niveau. In Kauf nehmen muss man allerdings eine starke Reduktion der Tanzszenen.

Begeisterter Beifall für alle Beteiligten. Es lohnt sich, rechtzeitig zu erscheinen, um einen der vorderen Plätze zu ergattern. Auf den hinteren Rängen wird es klanglich erheblich und optisch dünner.

P.S. Als Koproduktion mit dem Uckermärkischen Nationaltheater Kulturgut Metzelthin ging die Produktion vom 10. bis 18. Juli auf die Reise in fünf Theater Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns.

 

Und dann auf Trecker-Tournee durch die Uckermark | AZ/AN vom 18.06.2015

Studenten der Aachener Musikhochschule spielen die Operette »Im Weißen Rössl«. Eine ganz besondere Premiere für ihren Professor.

Aachen. Bei der Probe rutscht ihm hin und wieder ein Fluch heraus. »Ich muss noch Text lernen«, sagt Herbert Görtz entschuldigend. Es ist ja auch eine doppelte Premiere für ihn. Der Direktor der Aachener Musikhochschule gibt am Samstag mit 59 Jahren sein Bühnendebüt: als Kaiser im Operetten-Hit »Im weißen Rössl«. Über die Herausforderung für ihn und seine jungen Studenten in den Hauptrollen sprach Herbert Görtz mit unserer Redakteurin Jenny Schmetz.

Herr Professor Görtz, reicht Ihnen der Direktorenposten an der Musikhochschule nicht – jetzt auch noch Kaiser?

Herbert Görtz: Wissen Sie, in meinem früheren Leben war ich am Theater, 15 Jahre lang. Da habe ich fast alles gemacht, sehr viel Klavier gespielt und ungefähr 150 Stücke dirigiert. Aber selbst auf der Bühne eine Rolle zu spielen, ist für mich etwas vollkommen Neues. Und ich bin sehr nervös!

Aber Sie schnappen einem Ihrer Studenten die Rolle weg!

Herbert Görtz: Da man für diese Rolle einen etwas älteren Herrn braucht, in einer Hochschule aber überwiegend junge Leute herumlaufen, hat der Regisseur mich gebeten, den Kaiser zu spielen.

Obwohl der Regisseur Tobias J. Lehmann Sie ja zum Kanzler degradiert hat. Warum?

Görtz: Er hat das Stück in die heutige Zeit übertragen. In Österreich gibt es schon lange keinen Kaiser mehr, aber »k. und k.« spuken noch immer überall herum. Daher denken die Menschen am Wolfgangsee in unserer Inszenierung, ich sei der Kaiser. Und am liebsten würden sie von morgens bis abends den Radetzky-Marsch hören und Kaiserschmarrn essen!

Sie spielen also mit den Klischees.

Görtz: Absolut! Das Original-Stück finde ich, ehrlich gesagt, grauenvoll. Aber übertragen in diese heutige Fassung, in der wir wirklich jedes Klischee herauskitzeln, macht es einen Riesenspaß. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Produktion eigentlich szenischer Unterricht für unsere Gesangsstudenten ist. Sie sollen nicht nur herumstehen und Arien singen, sondern lernen, wie sie sich auf der Bühne bewegen können. Ich bin wahnsinnig stolz, dass wir seit ein, zwei Jahren mit der Hochschule in eine neue Dimension vorgestoßen sind, indem wir auch Stücke produzieren, die stark aufs Schauspiel setzen.

Wobei die Operetten-Arien auch nicht gerade leicht zu singen sind.

Görtz: Allerdings nicht!

Sie singen auch …

Görtz: Ein bisschen. Damit kehre ich zurück zu meinen Wurzeln. Als ich 1978 in Oberhausen anfing, ging es los mit »My Fair Lady« und »Die Csárdásfürstin«. Ich war glücklich, dass ich damals Operetten dirigieren durfte. Denn gerade in der Operette lernt man das Theater-Handwerk. Davon habe ich unendlich profitiert, weil diese Produktionen dann auch auf die Reise gingen, wir haben in Schulaulen, in Kinosälen, einfach überall gespielt.

Mit dem »Weißen Rössl« gehen Sie im Juli auch auf Reisen: auf Trecker-Tournee durch die Uckermark. Geht das nicht in die Knochen?

Görtz: Ich lass’ mich mal überraschen! (lacht) Es gab im vorigen Jahr mit dem »Eulenschloss« schon eine Uckermark-Tournee, und die Studenten waren begeistert. Daher wollte ich unbedingt mal mit. Wir ziehen mit einem Zirkuskarren durch die Lande und spielen jeden Abend an einem anderen Ort. Was kann es Besseres für die Studenten geben als diese ganzen Erfahrungen: auf verschiedenen Bühnen und mit unterschiedlicher Akustik. Sie können sich einfach ausprobieren!

Sie selbst dürfen sich nicht nur auf der Bühne ausprobieren, sondern als musikalischer Leiter auch an einem neuen weißen Piano. Genießen Sie ein bisschen Elvis-Feeling?

Görtz: Ein bisschen. (lacht) Wir haben kein ganzes Orchester, sondern nur vier Musiker. Da wir unter freiem Himmel spielen, sitze ich an einem E-Piano. Aus künstlerischen Gründen lehnen wir das natürlich total ab. (lacht) Aber es ist ein supercooles Spielzeug!

 

© Förderverein der Musikhochschule in Aachen e.V.